Das Potenzial von Pflanzenkohle für den Klimaschutz
Um den Klimawandel einzudämmen, müssen bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit mehr als 200 Mrd. t Kohlenstoff langfristig gespeichert werden. Pflanzenkohle kann CO₂ nicht nur dauerhaft binden, sondern auch die Böden verbessern. Ein echter Klimaschützer also. Doch wie groß ist das Potential wirklich? In diesem Artikel zeigen wir euch, wie mit Hilfe von Pflanzenkohle wirksamer Klimaschutz betrieben werden kann.
Pyro – was? Wie durch Pyrolyse Pflanzenkohle entsteht.
Zunächst einmal müssen wir über die Entstehung der Pflanzenkohle sprechen. Rein pflanzliche Biomasse besteht zur Hälfte aus Kohlenstoff. Das Treibhausgas CO₂ ist wohl die bekannteste Verbindung von Kohlenstoff, wenn es um den Klimawandel geht. Dieses Gas wird von Pflanzen während der Photosynthese aufgenommen. Stirbt die Pflanze, wird ein Großteil bei der Zersetzung der Biomasse wieder in die Atmosphäre abgegeben. Um das zu verhindern, kommt nun die Pyrolyse ins Spiel. Es wird heiß - sehr heiß! Die Biomasse wird bei Temperaturen zwischen 380°C und 1000°C “gebacken”, so werden die Kohlenstoffverbindungen thermochemisch gespalten. Leichtflüchtige Bestandteile der Biomasse gasen dabei aus und neue stabile Verbindungen können entstehen - Pflanzenkohle. Der darin enthaltene Kohlenstoff kann unter natürlichen Bedingungen nur langsam biologisch oder chemisch abgebaut werden. Was heißt das genau? Der Kohlenstoff der Pflanzenkohle kann über mehrere Jahrhunderte im System erhalten bleiben. Eine Kohlenstoffsenke ist entstanden. Dabei kann jedes Kilo Pflanzenkohle rund 3,6kg CO₂ binden.
Aus der Atmosphäre direkt in den Boden
Pflanzenkohle ist kein Allheilmittel gegen den Klimawandel, dennoch hat sie großes Potential. Das International Panel on Climate Change (IPCC) geht davon aus, dass die Pflanzenkohle das Potenzial hat, weltweit 2,6 Mrd. Tonnen CO₂ jährlich der Atmosphäre zu entziehen. Schätzungen zeigen, dass allein in der EU das Senkenvolumen von 17 Millionen Tonnen jährlich erreichbar ist. Im Gegensatz zu einem neu gepflanzten Baum, der zunächst 30 Jahre wachsen muss, um sein volles Potential zur Bindung von Kohlenstoff zu entfalten, wirkt die Pflanzenkohle sofort. Die Abbaurate im Boden beträgt gerade einmal 0,3% pro Jahr.
Die Senkenleistung und damit der Beitrag zum Klimaschutz hängt dennoch stark von der Verfügbarkeit der Biomasse, wie auch der Weiternutzung der daraus entstehenden Pflanzenkohle ab.
Also wohin mit der Kohle?
Die Anwendungsart der Pflanzenkohle bestimmt also maßgeblich die Dauer der Kohlenstoffsenke. Nur wenn die Bilanz insgesamt klimapositiv ausfällt, sprich mehr einsparen, als man verbraucht, dann kann man davon sprechen, dass Pflanzenkohle einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Wichtige Elemente dabei sind zum einen die Gewinnung der Biomasse, welche klimaneutral sein sollte. Wir setzen hierbei vorrangig auf Straßenbegleitgrün und minderwertiges Holz aus Baumfällungen, für die es bislang keine andere Verwendung gibt. Auch Emissionen, die beim Transport zum und vom Ort der Anwendung entstehen, müssen dabei berücksichtigt werden.
Es ist möglich, sich die Kohlenstoffsenken zertifizieren zu lassen, dafür gibt es unterschiedliche Zertifikate, beispielsweise das EBC-Zertifikat. Um ein solches Zertifikat zu erlangen, müssen bei der Produktion von Pflanzenkohle bestimmte Schritte, Methoden und Grenzwerte eingehalten werden. Zum einen darf sich die Pyrolysetemperatur, wie auch die Zusammensetzung der Biomassen, um nicht mehr als 20% verändern. Während der Herstellung werden immer wieder Proben genommen, um die Güte der Charge sicherzustellen. Des Weiteren dürfen Biomassen, die auf der EBC-Positivliste verzeichnet sind, verwendet werden. Aus dieser Liste geht ebenfalls hervor, welche Biomasse im Anschluss wo eingesetzt werden darf.
Die Anwendungen sind vielfältig. Wird Pflanzenkohle in der Landwirtschaft angewendet, so kann sie zusätzlich den Humusaufbau unterstützen, wie auch die Wasserhaltekapazität erhöhen, wodurch die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels gesteigert wird. Pflanzenkohle hat außerdem das Potential, Sand im Beton zu ersetzen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass der endliche Rohstoff Sand eingespart wird, des Weiteren kann die Pflanzenkohle nicht oxidieren, so lange wie das Material besteht.
Das Potential ist also groß und kann noch viel größer werden. Doch dafür benötigen wir einen Paradigmenwechsel. Der Wert von Biomasse als Kohlenstoffsenke muss ganz klar gesteigert werden, damit ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz geliefert werden kann.
Hinterlassen Sie einen Kommentar